Aufwachsen in einem vergessenen Land, auch wenn es permanent in den Nachrichten präsent ist: der Libanon. Was der in Amman (Jordanien) geborene Rabih Alameddine seinen Raja erzählen lässt, fesselt durch seinen bissigen und sarkastischen Ton, der all die Katastrophen – Bürgerkrieg, Bankenkrise, Korruption, Covid-Pandemie, die Explosion im Beiruter Hafen im August 2020 – irgendwie aushaltbar macht. Dazu die Erkenntnis, schwul zu sein.
Zurecht mit dem National Book Award 2025 ausgezeichnet.
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Die NDR-Sendung »Nordtour« zeigt am 11. April 2026 ein feines Porträt unseres Silent Book Clubs in der Bücherhalle Elbvororte. Den Beitrag könnt Ihr hier sehen.
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- Tausendseitige Emily-Brontë-Phantasie: Besuch bei der Autorin Anjet Daanje in Groningen (Katharina Borchardt, SWR)
- Weihnachtstipp: Anjet Daanje – Das Lied von Storch und Dromedar (Katharina Borchardt, SWR)
- Buchkritik – „Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje (Katharina Borchardt, Deutschlandfunk Kultur
- Anjet Daanjes Roman: Erschaffen, um das, was nicht existiert, greifbar zu machen (Wolfgang Schneider, FAZ, €-Paywall)
- Als wäre es ein neuer Brontë-Roman. (Klappentexterin und Herr Klappentexter)
- Andreas Rötzer über Anjet Daanje. (Klappentexterin und Herr Klappentexter)
- Ulrich Faure: der Treue (TraLaLit, Julia Rosche)
- Marius Müller: Anjet Daanje – Das Lied von Storch und Dromedar (buch-haltung.com)
- tbc.
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»Es ärgerte ihn, dass Leute, die sie kaum kannten, sich ihres Andenkens bemächtigten, um es nach eigenen Gutdünken zu entstellen. Die Toten sind vogelfrei.«
– Anjet Daanje: Das Lied von Storch und Dromedar : Roman. – Aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. – Berlin : Friedenauer Presse, 2025. – ISBN 978-3-7518-0641-1 – Seite 330
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Der Leserausch bei Anjet Daanjes Roman »Das Lied von Storch und Dromedar« hat mich bis zur Seite 274 getragen, ungefähr das erste Viertel des wundersamen Romans.
Eine fragmentarische, vielstimmige Scheinbiographie der Eliza May Drayden, hinter der sich Emily Brontë verbirgt / verbergen soll. Aus den Biographien verschiedener Personen, die mal als Ich-Erzähler auftreten, mal aus auktorialer Erzählperspektive dargestellt werden, setzt sich nach und nach ein gebrochenes Bild dieser Eliza May Drayden / Emily Brontë zusammen.
Bislang durfte ich erlesen: Die Geschichte von Susan Knowles-Chester (ihre Leichenwäscherin), Grace Jennings-Appleton (eine Nachbarin, die gerne mit den Drayden-Schwestern befreundet gewesen wäre), Kathleen Chambers (Tochter von Agnes Chambers, die eine Biographie über Eliza May Drayden schreibt und durch einen Manuskriptfund, dessen Echtheit angezweifelt wird, ins Unglück stürzt) sowie Emery Bowman (ein Junge, der dem Fluch seiner Familie – alle männlichen Nachkommen tragen den Namen Emery und sterben in Zusammenhang mit der Zahl »Sieben« – zunächst entflieht und dann doch durch Eliza zu Tode kommt). Dazwischen kurze Bruchstücke aus Biographien, Gedichte oder Auszüge aus dem einzigen Roman der Eliza May Drayden. All das ist so wunderbar verschroben, versponnen und verspielt, das es eine Freude ist. Ein literarisches Lesefest!
Natürlich versuche ich Bezüge zur realen Emily Brontë zu entdecken, aber Anjet Daanje hält sich nicht an den realen Biographien der Familie Brontë fest. So taucht – jedenfalls bis jetzt – der Bruder Branwell nicht auf oder hat eine Entsprechung. Neugierig durch die Lektüre habe ich in meiner privaten Bibliothek gestöbert und immerhin drei Biographien entdeckt: Robert de Traz »Die Familie Brontë« (erstmals 1939), Elisabeth Gaskell »Das Leben der Charlotte Brontë« (erstmals 1857) und Elsemarie Maletzke »Das Leben der Brontës« (erstmals 1988). Große Leselust nun auch in diesen Büchern zu stöbern. Leserausch eben.
