Aus dem Leben eines Lesers

  • Sonntagabend ist ein guter Moment die Lektüre eines neuen Buches zu beginnen. So geschehen gestern Abend: »John of John« von Douglas Stuart in der deutschen Übersetzung von Sophie Zeitz. Merkwürdigerweise erscheint die deutsche Übersetzung VOR dem englischen Original, das erst Anfang Mai in die Buchhandlungen kommt.

    Wenn ich es in Deutsch mag, kann ich mich ja immer noch an das englische Original wagen, wobei auf den ersten Seiten schon viel Gälisch gesprochen wird. Wie das wohl im Original gelöst ist?

    Auf den ersten Seiten begleite ich Cal, der von seinem Vater nach Hause zurückgerufen wird, weil seine Großmutter mütterlicherseits schwer erkrankt ist. Zuhause ist in diesem Fall die Insel Harris, die zu den Hebriden gehört. Karg, windig, schroff.

    Das Setting erinnert mich sowohl an »The Boy from the Sea« von Garrett Carr wie auch an »Seascraper« von Benjamin Wood. Die Geschichte hingegen unterscheidet sich deutlich. Es entwickelt sich vermutlich eine Vater-Sohn-Geschichte, die beide ein Geheimnis vor einander haben. Und womöglich haben beide eine Vorliebe für Männer.

    Schöne Lesewoche!

  • Ein Sofa-Sonntags-Schmöker-Buch: Meike Winnemuth berichtet von ihren Lektüren eines Sommers. Unaufgeregt, freundlich, zugewandt und immer liebevoll mit dem Blick auf Literatur. Hier ist eine Liebhaberin am Werk. Wem gerade einmal der beste Bücherfreund abhanden gekommen ist oder die liebste Lesefreundin gerade keine Zeit hat, dann greife man zu »Eine Seite noch«. Fast wie ein Gespräch und ideal, wenn man vielleicht gerade eine Leseflaute hat. Winnemuth hilft!

  • »What would you do in such a world? I read Dostoyevsky, of course. I read all his novels, one after another, and then reread them. He made me feel supersmart. That was his great talent, making teenage boys feel righteous. At that age, and only at that age, I considered his philosophical questions to be deep and poignant, and the fact that I understood them meant I was superior to everyone. Please remember that my brother’s greatest intellectual achievement during those years was turning up his shirt collar in the back. My father congratulated him for thinking of such a brilliant thing. So of course I felt superior and that feeling was almost superior to jerking off.«

    – Rabih Alameddine: The True True Story of Raja the Gullible (and His Mother). – New York : Grove Press, 2025. – ISBN 978-0-8021-6647-0. – Seite 264

  • Aufwachsen in einem vergessenen Land, auch wenn es permanent in den Nachrichten präsent ist: der Libanon. Was der in Amman (Jordanien) geborene Rabih Alameddine seinen Raja erzählen lässt, fesselt durch seinen bissigen und sarkastischen Ton, der all die Katastrophen – Bürgerkrieg, Bankenkrise, Korruption, Covid-Pandemie, die Explosion im Beiruter Hafen im August 2020 – irgendwie aushaltbar macht. Dazu die Erkenntnis, schwul zu sein.
    Zurecht mit dem National Book Award 2025 ausgezeichnet.

  • Die NDR-Sendung »Nordtour« zeigt am 11. April 2026 ein feines Porträt unseres Silent Book Clubs in der Bücherhalle Elbvororte. Den Beitrag könnt Ihr hier sehen.