Es gilt einiges nachzuholen, jetzt, wo ich seit dem letzten Eintrag über weitere hundert Seiten gelesen habe.
Zunächst ging es mit der Lektüre des Švjek weiter, Vergleich zwischen den Übersetzungen 1916/26 und 2016.
»1926 sagte er Parade. 2016 sagte er Inspektion. Auf Tschechisch sagte er: přehlídka, das bedeutete so viel wie Besichtigung und Inspektion und Parade. Hlídka, das war die Wache. Pře-: über? War die přehlídka wörtlich: die Überwachung?«
– Peter Waterhouse: Z Ypsilon X. – Berlin : Matthes & Seitz, 2025. – 1554 S. (3 Bände) – ISBN 978-3-7518-0040-1. – Band 1: Z, S. 263
Eines von vielen Beispielen, wie Waterhouse die Sprache hinterfragt, analysiert, hin und her bewegt, abwägt, diskutiert, hinterfragt. Fragen fragen.
Einige Seiten weiter der Hinweis auf die erste Schrift des Großvaters Edgar Alker, die am 1. Mai 1927 in der Zeitung »Die Frau: sozialdemokratische Monatsschrift für Politik, Wirtschaft, Frauenfragen« erschien. »Lebensbilder aus dem Gebärhaus« lautet der Titel seines ersten Feuilleton. 1938 wird er dann Hauptschriftleiter der Zeitung »Das Kleine Blatt«.
Erwähnung, dass der Großvater eine Harley-Davidson fuhr, Ausflüge. Und seine Freundin/Frau liest Peter Altenberg.
Dann wieder Rückblende ins Jahr 1928 zu den Fortbildungen und Kursen der Kammer für Arbeiter und Angestellte.
»Das Jahrbuch für das Jahr 1928 der Kammer für Arbeiter und Angestellte, welche ihren Mitgliedern und den Kindern ein Bildungsprogramm anbot, nannte in der Rubrik Fortbildung Kurse Vorträge einen Vortrag über Karl Kraus, von Edgar Alker. Das Vortragsmanuskript ging verloren. In den letzten Tagen der Menschheit lagen gut aufbewahrt ein Jahrhundert lang die Eintrittskarten zu den Vorlesunge von Karl Kraus in Wien im mittleren Saal des Konzerthauses, die Programmzettel zu den Lesungen und zwei Blätter mit Notizen.«
– Peter Waterhouse: Z Ypsilon X. – Berlin : Matthes & Seitz, 2025. – 1554 S. (3 Bände) – ISBN 978-3-7518-0040-1. – Band 1: Z, S. 295
Einige Seiten später zunächst ein Abstecher zu Shakespear und seinem Horatio, um kurz darauf einen Vergleich mit dem Buch »Krieg dem Kriege« von Ernst Friedrich zu ziehen. Ab Seite 310 dann ein surrealer Auftritt von Ludwig Ganghofer. Es folgt ein Gedicht, Szenen mit Pferden/Opferden (was für eine faszinierende Sprachspielerei!) bis es schließlich auf Seite 338 um die Stille geht.
Seite 346: Leitartikel von Alker am 9. November 1938, das Datum der Novemberpogrome. Darin auch ein Rückblick auf den 9. November 1923, der Tag, an dem der Hitlerputsch stattfand. Bei meiner Lektüre versuche ich immer wieder die historischen Bezüge zu finden, was herausfordernd ist, weil der Text zeitlich hin und her springt.
Seite 358: Die Nachricht über den Tod von Edgar Alker. Danach zurück zu Karl Kraus.
Link & Notiz:
Lesenswerte Einordnung von Clemens J. Setz in der FAZ: »Das rückläufig buchstabierte Geheimnis« (€), alternativer Link.
Setz stellt fest:
»Ich glaube nicht, dass es in der gegenwärtigen Literatur eine vergleichbare Lektüreerfahrung gibt.«
Ich bin geneigt, ihm zuzustimmen.