Aus dem Leben eines Lesers

Das Lied von Storch und Dromedar

  • Die Nachwehen meiner OP und die Erkältung haben meine Lektüren ein wenig durcheinander gebracht. Den zweiten, umfangreichsten Teil von »Z Ypsilon X«, der Band »Ypsilon«, lege ich zunächst beiseite. Diese Lektüre erfordert eine andere Art der Konzentration.

    Als Zwischenspiel dann den ersten Band der Gereon-Rath-Reihe von Volker Kutscher, als Vorbereitung für ein umfangreicheres Vorhaben.

    Seit dem vergangenen Wochenende nun »Das Lied von Storch und Dromedar« der niederländischen Autorin Anjet Daanje. Die Übersetzung von Ulrich Faure ist wunderbarerweise für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die ersten hundert Seiten ein Leserausch, wenn auch finster. Es ist die fiktionalisierte Biographie von Emily Brontë. Eindringlich wird zum Beispiel die Arbeit einer Leichenwäscherin geschildert. Es ist erschreckend, wie alltäglich gestorben wird. Typhus und Tuberkulose töten qualvoll – auch Eliza May Drayden, die fiktionalisierte Romanfigur der Emily Brontë.

    Dennoch: Schön, wieder unter den Lesenden zu sein.

  • »Sie liest bis spät in die Nacht, und je mehr Bücher sie heimlich verschlingt, desto mehr findet sie wieder zu sich selbst zurück. Sie hatte vergessen, wie es ist, sich größer zu fühlen, als man ist, sich so weit in andere hineinzuversetzen, als würde ihr Kopf auch den der anderen umfassen. Armer Daniel, so klug er auch sein mag, er kann sich nur mit der Wirklichkeit auseinandersetzen, was darüber hinaus existiert, sind für ihn bloß triviale Erfindungen, aber genau da, in dieser unendlichen Welt der Dichtung, wartet die Frau auf ihn, nach der er sucht.»

    – Anjet Daanje: Das Lied von Storch und Dromedar : Roman. – Aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. – Berlin : Friedenauer Presse, 2025. – ISBN 978-3-7518-0641-1 – Seite 106