Aus dem Leben eines Lesers

Lesetagebuch

  • Wie so oft ziehe ich das Lesen dem Schreiben vor, was blogtechnisch gesehen fatal ist. Zeit ist eine eigenwillige, widerspenstige Sache. In der Warteschlange zur Buchbesprechung stehen:

    • Michael Maar: Das violette Hündchen : Große Literatur im Detail
    • Susan Choi: Flashlight (engl.)
    • Benjamin Wood: Seascraper (engl.)
    • Katie Kitamura: Audition (engl.)
    • Anjet Daanje: Das Lied von Storch und Dromedar
    • Rabih Alameddine: The True True Story of Raja the Gullible (and his Mother) (engl.)
    • Meike Winnemuth: Eine Seite noch : Warum Lesen uns so glücklich macht
    • Douglas Stuart: John of John (In Ermangelung des englischen Originals in der deutschen Übersetzung von Sophie Zeitz)
    • Oisín McKenna: Evenings and Weekends (engl.) (in Kürze ausgelesen)

    Weiter, weiter, weiter lesen!

  • »The exact ratio of factors is yet to be agreed, but one thing is certain: the whale is bad news. It points its finger in accusation. No one is innocent in the whale’s unblinking eyes. You, declares the whale, are morally, spiritually and ecologically bankrupt. The whale is alive, but only just about.«

    Oisín McKenna: Evenings and Weekends. – New York (u.a.) : Mariner Books, 2024. – ISBN 978-0-06-331997-4. – Seite 2

  • Zur Hälfte gelesen. Je länger ich lese, desto ärgerlicher werde ich. Was für eine schwule Selbstgeißelung hohler Charaktere! Ich wünsche mir, dass Douglas Stuart noch eine Wendung hinbekommt, befürchte allerdings das Gegenteil.

    Zudem: Was für ein alberner Blurb auf der deutschen Ausgabe (die vor dem englischen Original erschienen ist):

    »Ein Roman, wie er nur alle zehn, fünfzehn Jahre vorkommt.« 

    Daniel Schreiber

    Nein, lieber Herr Schreiber, so schlechte Romane erscheinen jeden Monat.

  • Langsames Ankommen auf der Insel des Hauptprotagonisten Cal. Eingeblendet kurze Erinnerungen an seine Zeit in Edinburgh samt sexueller Eskapaden. Wiedersehen mit seinem alten Schulfreund Doll Macdonald und schließlich seiner Großmutter Ella, die eben nicht die lilafarbenen Füße hat, wie Cals Vater am Telefon angekündigt hatte. Tatsächlich ist bis zur Seite 100 nicht wirklich viel geschehen. Gemächliches Erzählen in »John of John«.

  • Sonntagabend ist ein guter Moment die Lektüre eines neuen Buches zu beginnen. So geschehen gestern Abend: »John of John« von Douglas Stuart in der deutschen Übersetzung von Sophie Zeitz. Merkwürdigerweise erscheint die deutsche Übersetzung VOR dem englischen Original, das erst Anfang Mai in die Buchhandlungen kommt.

    Wenn ich es in Deutsch mag, kann ich mich ja immer noch an das englische Original wagen, wobei auf den ersten Seiten schon viel Gälisch gesprochen wird. Wie das wohl im Original gelöst ist?

    Auf den ersten Seiten begleite ich Cal, der von seinem Vater nach Hause zurückgerufen wird, weil seine Großmutter mütterlicherseits schwer erkrankt ist. Zuhause ist in diesem Fall die Insel Harris, die zu den Hebriden gehört. Karg, windig, schroff.

    Das Setting erinnert mich sowohl an »The Boy from the Sea« von Garrett Carr wie auch an »Seascraper« von Benjamin Wood. Die Geschichte hingegen unterscheidet sich deutlich. Es entwickelt sich vermutlich eine Vater-Sohn-Geschichte, die beide ein Geheimnis vor einander haben. Und womöglich haben beide eine Vorliebe für Männer.

    Schöne Lesewoche!