Aus dem Leben eines Lesers

Lesetagebuch

  • Nachts, nach der ersten Tiefschlafphase, texte ich im Halbschlaf über Bücher, damit ich wieder einschlafen kann. Sätze schiebe ich hin und her, Wörter werden gewechselt und auf ihre Bedeutung geprüft. Ein Zustand, der der Lektüre von »Z Ypsilon X« ähnelt. Wörter werden aus dem Englischen übersetzt, hinterfragt, verglichen, geschliffen, wiederholt.

    Waterhouse lässt seinen Erzähler blättern und lesen, bis zur Seite 46 geht es um Charles Dickens, um »David Copperfield« (dem roten Buch), um »Dombey and Son« und den Briefen, die Dickens an den »Punch«-Gründer und Satiriker Mark Lemon schrieb. »The unpublished letters of Charles Dickens to Mark Lemon« so der Buchtitel, der erstmals 1927 veröffentlicht wurde und in dem es sich wohl keine Antworten von Lemon auf Dickens Briefe finden. Beide kannten sich vor allem durch ihre Arbeit am und für das Theater.

    Ab Seite 47 taucht erstmals der Name der Person auf, die – folgt man den Klappentexten – die zentrale Person des Buches ist: Edgar Alker, Großvater des Ich-Erzählers. Mit ihm tritt ein weiterer Autor auf, dessen Bücher dieser Großvater gekauft hat: Peter Altenberg. Ich gestehe: sein Name sagt mir bis dahin nichts. Bei der Recherche ein interessantes Feature bei Deutschlandfunk Kultur entdeckt, der dem österreichischen Autor einst eine »Lange Nacht« widmete.

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  • Aufbruch in ein neues Leseabenteuer: Peter Waterhouse »Z Ypsilon X« in der schönen, dreibändigen Leinenausgabe bei Matthes & Seitz. Über 1550 Seiten vor mir, die ersten 29 angefangen. Zunächst geschaut, wer Lucie Varga war, der das Buch »in memoriam« gewidmet ist. Dann ausgestiegen in Železničàřka K., wo ein Schauspieler das rote Buch liest. Das rote Buch: Charles Dickens »David Copperfield«.

    Mein Lesejahr fing mit dem Copperfield an, vielleicht endet es auch damit. Erster Eindruck: Eine Sprache, die sich ständig selbst hinterfragt, ihre Aussagen, ihr Inhalte, ihre Konnotationen. Und der Satz »And are who what.« Textimmanente Sprachanalyse. Es wird spannend, es wird herausfordernd, es wird bezaubernd.

    Bibliographische Angaben:
    Peter Waterhouse: Z Ypsilon X. – Berlin : Matthes & Seitz, 2025. – 1554 S. (3 Bände) – ISBN 978-3-7518-0040-1. – 148,- Euro.
    Ich besitze die 179. von 500 Vorzugsausgaben.

  • Was für ein wunderbarer Text: Aus dem Lesetagebuch von Theo Breuer, zu finden auf der Webseite von Birgit Böllinger.
    Danke!