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Aus dem Leben eines Lesers

Z Ypsilon X

  • Ab Seite 73 tritt allmählich das nächste Buch, der nächste Roman, das nächste Theaterstück in Erscheinung. »Malina« von Ingeborg Bachmann, dessen Theateradaptation wohl am Klagenfurter Stadttheater aufgeführt wird. Kurz Exkursion, um dann wieder die Sprache von Dickens zu betrachten, die Orte in England – »I was born at Blunderstone, in Suffolk, or >thereby,< as they say in Scottland«. Wieder so ein sich wiederholender Satz.

    Es folgen Ausführungen, Reflexionen, Sprachspielereien zu den Micawbers, deren Schicksal, vor allem Mr. Micawbers, Vorlage in Dickens Familie gehabt haben sollen. Ab Seite 106 einige Fotos, bevor der Text auf Seite 115 fortgeführt wird.

    Schwierig, nach der Lektüre in den Text wieder hineinzukommen. Der Text fließt und so rauschen die Wörter an mir vorbei, nicht auf- oder fest- oder anzuhalten. Stream. Dream.
    Wo ist meine »Malina«-Ausgabe?

  • »Liebte ich das Lesen, weil es leise war und ich mich erinnerte an meine Mutter? Konnte ich Bücher hören? Hörte ich in den Büchern mehr als in den Stimmen? Meine Mutter las nicht, sie las nicht gerne. Sie war keine Leserin, auch keine Vorleserin. Konnte sie darum den leisen Vater nicht hören? Bloß den lautstarken, der auch zuletzt in der Lautstärke war, im Gefechtslärm auf einem Feld vor der Häuserzeile von Latanzy, und dort starb und liegen gelassen wurde als einer von vielen Sterbenden und Liegengelassenen – hörte sie nur den Lautstarken, nur Lautstärke, also nicht?«

    – Peter Waterhouse: Z Ypsilon X. – Berlin : Matthes & Seitz, 2025. – 1554 S. (3 Bände) – ISBN 978-3-7518-0040-1. – Band 1: Z, S. 58-59

  • Nachts, nach der ersten Tiefschlafphase, texte ich im Halbschlaf über Bücher, damit ich wieder einschlafen kann. Sätze schiebe ich hin und her, Wörter werden gewechselt und auf ihre Bedeutung geprüft. Ein Zustand, der der Lektüre von »Z Ypsilon X« ähnelt. Wörter werden aus dem Englischen übersetzt, hinterfragt, verglichen, geschliffen, wiederholt.

    Waterhouse lässt seinen Erzähler blättern und lesen, bis zur Seite 46 geht es um Charles Dickens, um »David Copperfield« (dem roten Buch), um »Dombey and Son« und den Briefen, die Dickens an den »Punch«-Gründer und Satiriker Mark Lemon schrieb. »The unpublished letters of Charles Dickens to Mark Lemon« so der Buchtitel, der erstmals 1927 veröffentlicht wurde und in dem es sich wohl keine Antworten von Lemon auf Dickens Briefe finden. Beide kannten sich vor allem durch ihre Arbeit am und für das Theater.

    Ab Seite 47 taucht erstmals der Name der Person auf, die – folgt man den Klappentexten – die zentrale Person des Buches ist: Edgar Alker, Großvater des Ich-Erzählers. Mit ihm tritt ein weiterer Autor auf, dessen Bücher dieser Großvater gekauft hat: Peter Altenberg. Ich gestehe: sein Name sagt mir bis dahin nichts. Bei der Recherche ein interessantes Feature bei Deutschlandfunk Kultur entdeckt, der dem österreichischen Autor einst eine »Lange Nacht« widmete.

    Weiterlesen.

  • Aufbruch in ein neues Leseabenteuer: Peter Waterhouse »Z Ypsilon X« in der schönen, dreibändigen Leinenausgabe bei Matthes & Seitz. Über 1550 Seiten vor mir, die ersten 29 angefangen. Zunächst geschaut, wer Lucie Varga war, der das Buch »in memoriam« gewidmet ist. Dann ausgestiegen in Železničàřka K., wo ein Schauspieler das rote Buch liest. Das rote Buch: Charles Dickens »David Copperfield«.

    Mein Lesejahr fing mit dem Copperfield an, vielleicht endet es auch damit. Erster Eindruck: Eine Sprache, die sich ständig selbst hinterfragt, ihre Aussagen, ihr Inhalte, ihre Konnotationen. Und der Satz »And are who what.« Textimmanente Sprachanalyse. Es wird spannend, es wird herausfordernd, es wird bezaubernd.

    Bibliographische Angaben:
    Peter Waterhouse: Z Ypsilon X. – Berlin : Matthes & Seitz, 2025. – 1554 S. (3 Bände) – ISBN 978-3-7518-0040-1. – 148,- Euro.
    Ich besitze die 179. von 500 Vorzugsausgaben.