Aus dem Leben eines Lesers

Kant

» In der Reife seines Lebens hatte er die Tat begangen, sein eigenes Werk zu verleugnen. Er hatte Kant gefunden, wie andere Gott finden, und diente von da an nur ihm.
Dieser Ethiker, zugleich ein Grotesken-Erfinder von maßloser Schärfe, blieb auch für diejenigen, die ihm nur flüchtig begegneten, eine unvergessliche Erscheinung: Auf dem Hals dieser wuchtigen, knochigen Gestalt schien nichts Geringeres zu sitzen als der Kopf Immanuel Kants.«

Iwan Heilbut: Zugvögel. – Editiert, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Peter Graf. – Berlin : Classen, 2026. – ISBN 978-3-546-10159-2. – S. 247